So ein verlogenes Theater

Im Amtsblatt des Monats März setzte sich die AfD-Stadtratsfraktion dafür ein, das Anhaltische Theater stärker durch das Land Sachsen-Anhalt zu finanzieren, um die Stadt Dessau-Roßlau finanziell zu entlasten. Zur gleichen Zeit beantragte die Landtagsfraktion der AfD in Sachsen-Anhalt in einem Änderungsantrag zu den Haushalten 2020 und 2021 die Kürzung der Mittel zur Unterstützung der Theater in kommunaler Trägerschaft um etwa die Hälfte.

Das wäre das Ende des Anhaltischen Theaters.

Es ist reine Demagogie, das wahre Gesicht der AfD! Sich einerseits einzuschmeicheln mit der Aussage, dem Theater helfen zu wollen und in Wirklichkeit die Mittel zu kürzen! Unser Theater braucht ein reales Bekenntnis des Landes, eine verlässliche finanzielle Basis.

Die Begründung der AfD im Antrag lautet: „Die künstlerische Produktion an diesen Bühnen hält in den meisten Fällen einer objektiven Kosten-/Nutzenbewertung nicht Stand. Insbesondere werden kaum deutsche Theaterstücke auf die Bühne gebracht, und das, was gebracht wird, ist politisch höchst einseitig orientiert. Dergleichen sollte nicht aus Steuergeldern gefördert werden.“

Sollte nun etwa auf die Dramen von Shakespeare verzichtet werden, in Zukunft auf die Musik von Verdi oder auf Tschaikowskis Schwanensee, weil sie alle keine Deutschen waren?

Diese Sätze sind verräterisch und verdeutlichen, was die AfD wirklich anstrebt. Sie will ein anderes Land. Ein Land, in dem wieder Parteien und Parteifunktionäre bestimmen, wie Kunst zu gestalten ist – ähnlich wie in den Diktaturen der Vergangenheit. Nicht umsonst haben die Väter des Grundgesetzes nach den Erfahrungen des Nazireiches neben anderen Freiheitsrechten die Freiheit der Kunst als Grundrecht in Artikel 5 der Verfassung aufgenommen. Dieses will die AfD aushöhlen.

Ein Recht, das im Dritten Reich durch die Nationalsozialisten, die auch eine „deutsche“ Kunst wollten, mit Füßen getreten wurde. Theater wurden zensiert, Kunstwerke – auch von Bauhäuslern – als entartet bezeichnet und aus den Museen entfernt, Bücher verbrannt und Filme mussten für Propagandazwecke herhalten. Künstler wurden aus rassistischen Gründen, oder weil sie sich dem nicht unterordneten, verfolgt oder mussten emigrieren.

Dieses Grundrecht auf Freiheit der Kunst gab es auch nicht in der DDR-Verfassung von 1968. Wir erinnern uns an die Zensur durch die Partei in Literatur, Kino, Musik und Theater, im Kabarett und selbst beim Fasching. Die SED wollte eine sozialistische Kunst. Auch deshalb sind Künstler mundtot gemacht, verfolgt und aus dem Land getrieben worden. Wir erinnern uns: mit der Ausweisung von Wolf Biermann begann das Ende der DDR. Auch dagegen sind wir 1989 auf die Straße gegangen.

Deshalb habe ich im Namen unserer Fraktion eine Resolution von fünf Fraktionen unseres Stadtrates gegen diesen Versuch der AfD und für die Freiheit der Kunst unterzeichnet. Wir wollen ein weltoffenes, freies Land. Dazu gehört auch die Freiheit der Kunst. Wir wollen kein Land, in dem wieder Parteien – gleich welcher Ideologie und Richtung – diktieren, was die wahre Kunst ist. Wir setzen uns dafür ein, dass unser Land besser wird – in vielen Politikbereichen. Aber wir wollen kein anderes Land, im Gegensatz zur AfD!

Dr. Jost Melchior
FDP

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